Interview zum Thema:

Hybriden, Rescues, i-cutter und i-woods

Golf & More spricht mit Thomas Walk, dem Chef-Entwickler von WalkGolf – German Precision Golf Clubs, was es mit den Hybriden und Rescues eigentlich auf sich hat.
(Ausgabe Juni-2010)
Golf&More
Seit Jahren gibt es nun schon Hybriden und Rescues, aber an ihnen scheiden sich die Geister. Die Einen schwören aus sie, die Anderen stellen sie nach kurzem Gebrauch in die Ecke. Was hat es damit auf sich?

Thomas Walk
Das Auftauchen von Hybriden und Rescues in der Golfszene muss man historisch/physikalisch sehen. Über Jahrzehnte spielte man nur Driver, Hölzer und Eisen. Früher beinhalteten die Eisensätze meist auch die langen Eisen 3 und 4, manchmal sogar das Eisen 2. Jedoch nur wenige Golfer hatten die Fähigkeit auch die langen Eisen spielen zu können. Somit wurden diese nur spazieren gefahren oder landeten im Keller. Die Probleme mit den langen Eisen schob man also der „unspielbaren“ großen Schlägerlänge zu, aber ganz zu Unrecht.

Golf&More
Warum stellt denn die Schlägerlängen nicht das Problem dar ? Können Sie das etwas genauer erklären ?

Thomas Walk
Um einen Schläger in Rotationsbewegung beschleunigen zu können muss man dessen Trägheitsmoment (MOI = moment of inertia) überwinden. Dieses wird, vereinfacht ausgedrückt, durch Schlägerlänge und Kopfgewicht bestimmt. Würde man eine langen Schläger mit einem leichteren Kopf versehen, dann würde man diesen auch viel leichter schwingen können. Bestes Beispiel aus der Praxis: Viele Damen spielen die Fairwayhölzer besser als das Eisen 5, obwohl die Fairwayhölzer erheblich länger als das Eisen 5 sind. Das Fairwayholz hat einen recht leichten Kopf auch wenn dieser größer ausschaut und kann somit, trotz längeren Schaftes, besser beschleunigt werden als das kürzere Eisen 5 mit relativ schwerem Kopf.

Golf&More
Das klingt logisch, aber wie kamen nun die Hybriden und Rescues ins Spiel?

Thomas Walk
Auf Grund der, für die meisten Golfer, schlechten Spielbarkeit der langen Eisen gab es nach dem Abschlag eine große Entfernungslücke, welche man überbrücken musste. Da aber auch die Fairwayhölzer nicht jedermanns Sache sind fehlten ganz einfach die entsprechenden Schläger. Man hätte zwar die langen Eisen im Kopf leichter bauen können, aber da gab es, so wie ich es sehe, Liefer- und Technikprobleme.

Golf&More
Warum Liefer- und Technikproblem ? Die bekannten Golfschlägerhersteller haben doch alle Resourcen und bestes know-how !

Thomas Walk
Daran zweifele ich auch nicht im Geringsten, aber in unserer schnelllebigen Zeit werden fast jedes Jahr neue Modelle herausgebracht und der Nachliefermöglichkeiten zur Ergänzung älterer Schlägersätze sind meist Grenzen gesetzt. Zum Anderen werden Eisensätze nach der schon fast 100 Jahren alten, oder vielleicht noch älteren Schwunggewichtsmethode gebaut. Mit dieser Methode kann man zwar recht schnell und einfach einen gesamten Satz bauen, berücksichtigt dabei jedoch nur eingeschränkt eine durchgängige gleiche „Schwingbarkeit“ aller Eisen im Satz. Das Trägheitsmoment nimmt von den kurzen zu den langen Eisen stetig zu, sodass heutzutage meist nur noch ab Eisen 5 gefertigt wird, denn die langen Eisen sind nach dieser Baumethode für die meisten Golfer nicht spielbar.

Golf&More
Und war das dann die Lücke für die Hybriden und Rescues ?

Thomas Walk
Genauso ist es. Prinzipiell ist ein Hybrid oder Rescue nichts anderes als ein im Trägheitsmoment auf gute Spielbarkeit gebrachter Golfschläger. Man hätte auch ein Eisen oder Holz auf dieses Trägheitsmoment bauen können, aber dann hätten diese, wie gesagt, nicht zu vorhandenen Serien gepasst. Also musste ein anderes Kopfdesign her. Und das ist nun mal ein Zwischending zwischen Eisen und Hölzern, also ein Hybrid – Teil so, Teil so ! Darum gefällt mir der Name Hybrid auch besser. Rescue suggeriert zwar die Rettung aus der Not aber das funktioniert auch mit diesem Schläger nur bedingt. Ich benutzte bevorzugt das Wort Hybrid, denn es ist wertneutral und beschreibt eben das was es ist – ein Zwischending.

Golf&More
Nun schwören manche auf ein Hybrid, bei Anderen hält sich die Begeisterung in Grenzen. Woran liegt das ?

Thomas Walk
Die Anhänger von Hybriden haben mit diesen Schlägern zweifelsohne einen recht gut spielbaren längeren Schläger gefunden. Dies liegt daran, dass diese Schläger nun viel besser im Trägheitsmoment zu ihren Schwungenergien und Schwungfähigkeiten passen, und das ist gut so. Die wenig begeisterten Hybridspieler haben meist die Erfahrung gemacht, dass zwar das Hybrid für sich ganz gut geht aber doch irgendwie nicht so recht in den ganzen Schlägersatz mit Eisen und Hölzern passt. Und da haben sie recht, denn Hybrids sind nun mal Schläger mit einem eigenen Trägheitsmoment, welcher nur selten zu den Eisen bzw. Hölzern passt. Sie müssen also anders geschwungen werden. Eine Stabilisierung des gesamten Spiels ist mit ihnen so auch nicht zu erwarten.

Golf&More
Was haben Sie denn für Ideen um dieses Problem zu beheben, denn die meisten Golfer suchen doch nach einem möglichst einheitlichen Golfschlägersatz ?

Thomas Walk
Wer schon von Walk Golf gehört hat weiß, dass wir starke Verfechter des MOI-Systems sind, also von Eisen welche sich alle gleich schwingen lassen, vom langen bis zum kurzen Eisen. Die genauere Erklärung zu den MOI-Eisen würde in diesem Interview zu weit führen, denn wir wollten ja über Hybriden sprechen. Aber nur so viel zum Thema MOI-Eisen: Bei einem MOI-Eisensatz, so wie wir sie seit 2003 herstellen, schwingen sich alle Eisen im vollen Schwung gleich und der Ball wird auch immer aus der gleichen Position gespielt – eine ungemeine Erleichterung für einen einheitlichen Golfschwung.
Um das angesprochene Problem zu beheben bauen wir auch die langen Eisen in einem Golfschlägersatz mit dem gleichen Trägheitsmoment (MOI) wie z.B. des Eisen 7, d.h. für die langen Eisen ist nur noch die Schwungenergie eines Eisen 7 notwendig. Die meisten Golfer können so auch die langen Eisenschläge gut spielen. Aber für den langen Transportschlag fehlt häufig doch noch ein Schläger mit mehr Weite. Dafür haben wir unsere „i“-woods entwickelt.

Golf&More
Man kennt das „i“ meist von Handys und dort kommt der Begriff von „i“nternet. Was bedeutet denn das „i“ bei Ihren Golfschlägern?

Thomas Walk
Bei uns steht das „i“ etwas humoristisch für intelligent, denn alle Schläger von uns, mit einem „i“ wie          i-wood, i-cutter, i-driver sind so intelligent, dass sie wissen wie sich die Eisen eines MOI-Eisensatz schwingen und machen genau das gleiche, d.h. sie haben das gleiche MOI wie die Eisen und lassen sich somit genauso schwingen. Die i-woods 3,5,7,9 sind somit in ihrem Trägheitsmoment passend zu den Eisen gebaut und ermöglichen auf Grund des längeren Schaftes in Verbindung mit dem angepassten Kopfgewicht die gewünschten Tranportschläge vom Fairway mit dem Schwung eines Eisen 7 !

Golf&More
Wir haben bei Ihnen aber auch hybridähnliche Schläger gesehen. Warum bauen Sie denn diese, wenn Sie die Spielweiten auch mit den langen MOI-Eisen erreichen können ?

Thomas Walk
Ja, das scheint beim ersten Hinschauen doppelt gemoppelt zu sein. Wir haben auch lange Zeit keine Hybriden gebaut, da sie auf Grund der so gut spielbaren langen MOI-Eisen eigentlich nicht erforderlich sind. Irgendwann haben wir uns aber der wachsenden Nachfrage gebeugt und neue hybridähnliche Schläger entwickelt. Aber das sind keine normale Hybriden sondern auch wieder eine Klasse für sich. Wir bezeichen diese als i-cutter. Wie schon erwähnt schwingen sich diese Schläger auf grund der „i“ntelligenz absolut identisch wie die entsprechenden MOI-Eisen. Es gibt also kein Umgewöhnen vom Eisenschwung zum
„i-cutter“ und wieder zurück zu den MOI-Eisen. Ein unschätzbarer Vorteil für einen einheitlichen Golfschwung. Desweiteren haben die i-cutter ein besonders scharfes leading-edge. Das ist die untere Kante von der Schlagfläche zur Sohle. Somit kann dieser Schläger tatsächlich auf Grund seiner  „einschneidenden“ Wirkung als eine Art Rescue aus dem Semi-Rough eingesetzt werden. Für alle Golfer welche das Hybrid/Rescue Kopfdesign mögen und sich damit wohlfühlen ist der i-cutter auf jeden Fall eine Alternative zu den langen MOI-Eisen und auch zu den im Schaft noch etwas längeren i-woods.

Golf&More
Das war ja ein richtig spannender Einblick zum Thema Hybrid bzw. Rescue. Wir würden uns freuen wenn wir in Zukunft noch mehr über Schlägerentwicklung und Schlägerbau erfahren dürften.

Thomas Walk
Das sollte kein Problem sein, denn logische Neuentwicklungen sind meine Leidenschaft und davon habe ich noch manche in der Schublade.
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